Luftpiraterie? Europa zwingt Belavia-Flugzeug zur Umkehr

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"Derart Verhalten ist empörend und amoralisch. Ehrlich gesagt ist es eine reine „Luftpiraterie.“ Man kann jetzt die Schuld zynisch so lange weitergeben wie man will, aber eines steht fest: Frankreich schließt ohne Vorwarnung seinen Luftraum für die Maschine, die von Minsk nach Barcelona fliegt und gerade kurz vor der polnischen Grenze ist. Spanien hat vorher keinen Flugverbot gegen Belarus verhängt. Das Flugzeug muss unendlich viele Runden drehen und letztendlich im Flughafen Minsk landen", so der Pressesprecher des Außenministeriums, Anatoli Glas.


"Es ist überraschend, wie Europa die Interessen seiner Staatsbürger und ihre Sicherheit kalt ignoriert. Denn an Bord der Maschine waren hauptsächlich Passagiere aus den EU-Staaten. Und wer soll die Verantwortung tragen, wenn während des Flugs etwas schief läuft?" betonte Glas.


"Es ist bedauerlich, dass sich Frankreich und andere EU-Staaten um die „geringfügigen“ Probleme ihrer Bürger, geschweige denn der Bürger von Belarus, wenig kümmern und dass hinter den wohlklingenden EU-Mantras über „mehr Freizügigkeit“ in Europa ein solches Benehmen steckt" so der Pressesprecher weiter.


Wie die Nachrichtenagentur BelTA berichtete flog Belavia jedes Jahr rund 1000 belarussische Tschernobyl-Kinder zu Erholungsferien nach Spanien. "Heute werden sie den „hohen“ Idealen und politischen Ambitionen der französischen Regierung zum Opfer gebracht", wie Anatoli Glas bemerkte.


Frankreich hat in diesem Vorfall außerdem die Völkerrechtsnormen verletzt, denn laut Abkommen über die Internationale Zivilluftfahrt heißt es im Artikel 87, dass der Betrieb eines Fluglinienunternehmens im Luftraum eines Vertragsstaates nur nach einer Entscheidung des ICAO-Rates nicht gestattet werden darf. "Soweit wir informiert sind, hat die ICAO solche Entscheidungen nicht getroffen", wie der Behördensprecher weiter bemerkte.


Ferner hat Anatoli Glas dabei noch einen Aspekt erwähnt. "Die nationale Fluggesellschaft Belavia hat mit der jüngsten politischen Hysterie rund um den Ryanair-Flug nichts zu tun. Das belarussische Fluglinienunternehmen hat keine Regelungen verletzt. Ganz im Gegenteil, in den ersten schweren Pandemie-Monaten 2020, als viele Staaten wegen COVID-19 ihren Luftraum für internationale Flüge gesperrt haben, hat Belavia vielen EU-Bürgern die Heimkehr ermöglicht. Dafür hat sich die EU bei der Belavia herzlich bedankt. Heute ist von dieser Dankbarkeit keine Spur geblieben."