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Unterhalt für Kind in Belarus

  • Chrizm87
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2 Monate 1 Woche her - 2 Monate 1 Woche her #5729 von Chrizm87
Hallo miteinander,

folgender Sachverhalt, den ich gerne mit euch besprechen würde.

Nach einer mehr oder wenigen kurzen Bekanntschaft ist W (Belarus) schwanger..

Ich erwarte Unterhaltsforderungen, wie würde das nach BY Recht berechnet?

Wie ich in einem anderen Thema erfahren habe geht nach BY Recht wohl 25% des Einkommens für ein Kind als normal. Ist das korrekt?`
Gibt es Links/Quellen hierzu?

- nicht verheiratet
- lebe in CH / Bin Deutsch
- Einkommen ca CHF 7k pro Monat
- Kind und Mutter in Belarus
- Gibt es zusätzlich Unterhalt für Mutter
- Wie lange zahlt man Unterhalt?

Gibt es die Möglichkeit
- Gerichtsstand Deutschland
- Gerichtsstand Schweiz zu haben, indem ich die Vaterschaft einklage/einreiche?

Ich selbst denke mir 25% in BY sind ca 1750 CHF schon sehr hoch und selbst Unterhalt innerhalb Deutschlands gibt die Düsseldorfer Tabelle ganz andere Zahlen.

Vielen Dank für eure Infos schon mal und Grüße,
Christoph
Letzte Änderung: 2 Monate 1 Woche her von Chrizm87.

 

  • MrRossi
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2 Monate 1 Woche her #5730 von MrRossi
Hallo Christoph,

direkte Erfahrungen bzw. Wissen habe ich nicht, außer das, was ich kurz selbst gegoogelt habe.
Das kannst Du als ersten Ansatz auch machen:
Im Google-Suchfeld "site:*.by Алименты" eingeben und die Antworten auf deutsch übersetzen lassen (auch mittels Google).
(z.B. myfin.by/wiki/term/alimenty )

Demnach - Gesetzes-getreu:
Ist das mit den 25% richtig - im Regelfall bis zur Vollljährigkeit.
Du kannst aber mit der Partnerin einen beliebigen anderen Betrag vereinbaren, solange dieser Betrag nicht unter einem festgelegtem Minimum liegt (irgendwas um die 100BYN).
Unterhalt für die Mutter - wenn nicht verheiratet gewesen - habe ich nichts drüber gelesen - also nach erster Einschätzung: Nein.

Muss natürlich vor einem weißrussischen Gericht so beschlossen werden.

Und damit kommen wir zur Praxis:
Ich kenne 2-3 Fälle, wo der Ausländer sich aus dem Staub gemacht hat - und fertig...
Die weißrussische Frau hat - wenn sie keine Verbindungen zum Heimatland des Mannes hat (und kein Geld), auch nur wenig Möglichkeiten den Unterhalt einzutreiben.

Rein pragmatisch gesehen würde ich mich mit der Frau versuchen auf eine Summe zu einigen, wenn zumindest das Kind Dir etwas bedeutet.
Wichtig ist es dabei aber auf jeden Fall, das Du sämtliche Zahlungen dokumentierst.
Wie - ist eine gute Frage, kommt dann darauf an, wie die Frau das Geld von Dir aus der Schweiz erhalten kann - würde ich aber erst im 2. Schritt klären.

Kommt auch darauf an, welche Verbindungen Du noch zu Belarus hast oder haben wirst.
Wovon dann auch abhängt, ob Du eine gerichtliche Regelung bevorzugst oder nicht...

Das mit der Vaterschaft habe ich nicht verstanden?
Du willst sie später bestätigen oder anfechten?!


Gruß
Michael

 

  • MrRossi
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2 Monate 1 Woche her #5731 von MrRossi
Ich habe hier noch was aktuelles gefunden, was die Lage aus Sicht der Frau betrachtet:
www.lastrada.by/news/121/1787/

Demnach gibt es ein internationales Abkommen zur vereinfachten Einziehung von Unterhaltszahlungen.
Gemäß der im Link genannten Länder gehört wohl die Schweiz aber nicht dazu.
Darauf würde ich mich aber nicht verlassen, sondern dieses Abkommen als solches mal mittels Google ausfindig machen.
Oder jemanden beauftragen, der sich damit auskennt.

Parteien des Übereinkommens:
Österreich, Albanien, Belgien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Großbritannien, Ungarn, Deutschland, Griechenland, Irland, Spanien, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta , Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, USA, Türkei, Ukraine, Finnland, Frankreich, Kroatien, Montenegro, Tschechien, Schweden, Estland.

 

  • Chrizm87
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2 Monate 1 Woche her #5732 von Chrizm87
Danke dir für den Link Michael, sehr hiflreich aber leider auch schockierend wenn ich ehrlich bin.

Wenn man mal vom Durchschnittseinkommen in BY denkt, ist das ja extrem.

Ich frage mich ob es mir möglich ist, durch Einreichung von Vaterschaft etc dann selbst auf Unterhalt und Sorgerecht zu klagen und dass das dann via Gerichtsstand DE oder CH geregelt wird, da ich diesem System einfach mehr traue.

Ich will mich sicher keiner Verantwortung entziehen, aber effektiv 3500 Rubel pro Monat, ist ja ein Vermögen dort und sicher nicht einfach dem Lebensunterhalt des Kindes dienend.

Hat jemand eventuell noch weitere Infos/Erfahrungen hierzu?

Viele Grüße,
Christoph

.

 

  • MrRossi
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2 Monate 1 Woche her #5733 von MrRossi
Noch ein paar Gedanken:
Wenn Du möchtest, daß das Kind auch offiziell Dein Kind ist, braucht es Deinen Namen auf der Geburtsurkunde.
Der da nur mit Deiner Mitwirkung und Vaterschaftsanerkennung raufkommt
Und auch nur damit, kann die Mutter überhaupt Unterhaltsansprüche anmelden...

Sorgerecht ist erstmal 50/50...
Das Kind legal zu Dir zu holen kannst Du vergessen.
Mutter und Kind-Bindung zählt hier noch sehr viel mehr.
Wenn die Mutter nicht gerade anerkannte Alkoholikerin ist oder das Kind verwahrlost - keine Chance.

Wie so immer:
Versuch Dich außergerichtlich gütlich zu einigen.
Aber auch mit dem Hintergedanken und offen an die Frau ausgesprochen:
"Wenn ich will, bekommst Du gar nichts, und hast keine Möglichkeit was zu bekommen"...

Warum sollte ein Gerichtsurteil aus der Schweiz die weißrussischen Behörden mehr beeindrucken, als ein weißrussisches Urteil in der Schweiz...

Gruß

 

  • Chrizm87
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2 Monate 1 Woche her - 2 Monate 1 Woche her #5734 von Chrizm87

MrRossi schrieb: Noch ein paar Gedanken:
Wenn Du möchtest, daß das Kind auch offiziell Dein Kind ist, braucht es Deinen Namen auf der Geburtsurkunde.
Der da nur mit Deiner Mitwirkung und Vaterschaftsanerkennung raufkommt
Und auch nur damit, kann die Mutter überhaupt Unterhaltsansprüche anmelden...


Also keine Anerkennung, kein Name, kein Unterhalt? Dann kann man sicherlich auf Vaterschaftstest gedrängt werden vermute ich.

MrRossi schrieb: Wie so immer:
Versuch Dich außergerichtlich gütlich zu einigen.
Aber auch mit dem Hintergedanken und offen an die Frau ausgesprochen:
"Wenn ich will, bekommst Du gar nichts, und hast keine Möglichkeit was zu bekommen"...

Warum sollte ein Gerichtsurteil aus der Schweiz die weißrussischen Behörden mehr beeindrucken, als ein weißrussisches Urteil in der Schweiz...



Es scheint ein NY Übereinkommen von 1956 zu geben in dem beide Länder genannt sind.

Mein Gedanke ist, ob nicht das Gericht in der Schweiz zuständig sein kann, statt in BY, sodass die Schweizer Gesetze gelten. Es ist mir unbegreiflich, nach BY Recht wäre es gar teurer als nach Schweizer Recht.

Ich bin wirklich froh, dass du mir hier weiterhilfst, es ist wirklich schwer an solche Infos zu kommen, wie hast du diese gefunden?

Danke dir und viele Grüße,
Chris
Letzte Änderung: 2 Monate 1 Woche her von Chrizm87.

 

  • MrRossi
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2 Monate 1 Woche her #5735 von MrRossi

Chrizm87 schrieb: nach BY Recht

Dieses Recht gibt Dir aber halt auch die Möglichkeit eine andere Dir genehmere Regelung zu finden.

Mal realistisch betrachtet sind z.B. 300€ besser als nichts, und max. 500€ angemessen...
Ist schließlich mehr als ein durchschn. Monatsgehalt.
Darauf muss sie eingehen, wenn nicht - dann halt nicht...

Nach einem halben Jahr ohne Geld wird sie darauf eingehen...

Klingt hart ist aber erfahrene Realität.

Chrizm87 schrieb: Ich bin wirklich froh, dass du mir hier weiterhilfst, es ist wirklich schwer an solche Infos zu kommen, wie hast du diese gefunden?

Danke :)

Nur zwei Google-Anfragen:
1. die von oben: "site:*.by Алименты"
2. um ein Wort erweitert: "site:*.by Алименты иностранец"

иностранец = Ausländer.
"site:*.by" ist ein kleines aber mächtiges Hilfsmittel, zeigt es denn nur BY-Webseiten an, die hier ja nur interessieren.

 

  • MrRossi
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2 Monate 1 Woche her #5736 von MrRossi

Dann kann man sicherlich auf Vaterschaftstest gedrängt werden vermute ich


Na der KGB wird Dich ja wohl kaum aus der Schweiz deportieren :)

---

Um es aber klar zu stellen.

Nicht das ich das Drücken um die Vaterschaft und Unterhaltszahlungen befürworte.
Ganz und gar nicht.
Aber man sollte auch um die entsprechenden Druckmittel Bescheid wissen, damit es auch im Streit und nach einiger Zeit des Nachdenkens auf der Gegenseite zu einer Lösung kommen kann.

 

  • Chrizm87
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2 Monate 1 Woche her #5741 von Chrizm87
Hallo Michael, hallo miteinander


Ja es scheint wohl laut WIki über das UN Abkommen doch möglich zu sein auf Vaterschaft getestet zu werden.
(n siehe de.wikipedia.org/wiki/UN-Unterhalts%C3%BCbereinkommen_von_1956 )
Hier sind Schweiz und Belarus dabei. Hat jemand Erfahrung damit?

Wie ich verstehe hilft das Den Haager Übereinkommen zb, dass man nicht persönlich kommen muss etc. Sind Forderungen schwieriger damit durchzusetzen?

Ich meine auch hier ist DE und Belarus dabei (Beim UN Abkommen) und zusätzlich neu beim Haager Abkommen.
Ist das Haager Abkommen eine starke Erleichterung oder wie ist das zu sehen?


Generell bzgl Unterhalt, damit das anderen helfen kann:

Gesetzes Text: 25% für Kind:
kodeksy.by/kodeks-o-brake-i-semie/statya-92
Allerdings wenn es keinen Unterhaltsvertrag gibt.

Wie ich hier gefunden habe, kann ein Unterhaltsvertrag NICHT einseitig gekündigt werden: (Quelle pravovsem.by/alimenty-v-belarusi/ )
\quote
The agreement can be terminated or changed at any time by agreement of the parties, and it is produced in the same form as the conclusion. Modification or termination of the agreement is not allowed unilaterally.
\unquote


Über Hinweise wäre ich wirklich sehr froh!

Ich werde auch mal zur RB gehen und kann eventuell das Aufklären, bin aber über Vorabinformationen sehr dankbar!

Danke und viele Grüße,
Chris

 

  • OliverD
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2 Monate 1 Woche her #5742 von OliverD
Hallo Chrizm87,

ich denke du wirst hier nur bedingt Hinweise bekommen, die dir wirklich weiterhelfen. Bedingt dadurch, dass keiner der in Belarus lebenden Forenteilnehmer Unterhaltsstreitigkeiten in deiner Konstellation erlebt hat bzw. erleben musste. Ich selbst habe das Thema Scheidung und Kindesunterhalt vor ca. 10 Jahren bis zum erbrechen durchmachen müssen. Allerdings waren wir beide Deutsche und lebten in Deutschland. Aber auch das war schon kompliziert und langwierig genug.

Ich würde sagen, dass du nur über einen fachspezifischen Anwalt (der sich mit einer derartigen Konstellation auskennt) weiter kommst. Also entweder eine entsprechende Kanzlei hier in Deutschland oder eine deutschsprachige Kanzlei in Belarus. Solltest du so eine finden, kannst du erstmal ein (kostenpflichtiges) telefonisches Beratungsgespräch machen. Dann hast du auf jeden Fall erstmal eine grobe Richtungsangabe ...

Eine dumme Situation und ich wünsche dir dafür möglichst wenig Ärger.

Viele Grüße
Oliver