Aktuelles

Presseschau zu Belarus (Weißrussland) aus deutschsprachigen Medien mit Nachrichten, Bildern und Videos.

welt.de - 09.10.2015

Westliche Kritiker haben ihn immer wieder als "letzten Diktator Europas" bezeichnet - nun bereitet die EU vor den Wahlen in Weißrussland die Aussetzung der Sanktionen gegen Präsident Alexander Lukaschenko vor. Wie aus EU-Kreisen verlautete, sollen auch Einreise- und Vermögenssperren gegen rund 170 Vertraute und Anhänger des seit zwei Jahrzehnten herrschenden Staatschefs ausgesetzt und womöglich später ganz aufgehoben werden.

Das Vorhaben sei "eine Geste", nachdem Minsk jüngst die letzten politischen Gefangenen freigelassen hatte, sagte ein EU-Diplomat. Vor einer endgültigen Entscheidung wollen die Europäer aber noch den Verlauf der Präsidentschaftswahl am Sonntag abwarten. Eine erste Bewertung werde am Montag beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg erfolgen, sagte ein EU-Vertreter. Grundlage würden Berichte der Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sein.

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sueddeutsche.de - 09.10.2015 - Von Thomas Steinfeld

Swetlana Alexijwitsch schreibt über Osteuropas menschenfeindliche Geschichte. Aber ist es Aufgabe eines Literaturpreises, Ikonen des Widerstands hervorzubringen?

Wenn man den schwedischen Zeitungen glauben darf, war es nicht die Akademie, die der weißrussischen Autorin Swetlana Alexijewitsch die Nachricht überbrachte, sie werde in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten. Es war eine schwedische Journalistin. Und als es kurz danach an der Tür der künftigen Preisträgerin in Minsk klingelte, stand ein ebenfalls schwedischer Reporter davor.

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sueddeutsche.de - 09.10.2015 - Von Julian Hans

Am Sonntag stimmt Weißrussland über den nächsten Präsidenten ab. Der bisherige Staatschef Alexander Lukaschenko hat dafür gesorgt, dass er beste Aussichten hat, auch weiterhin zu herrschen.

Die Sensation des Tages ist den weißrussischen Abendnachrichten nur wenige Sekunden wert: Eine Weißrussin ist mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden!

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vorwaerts.de - 09.10.2015 - Von Oliver Kaczmarek

Es war ein Paukenschlag: Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl hat der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko den Sozialdemokraten Nikolaj Statkewitsch aus dem Gefängnis entlassen – den wichtigsten Oppositionspolitiker des Landes. Was hat das für die Wahl am Sonntag zu bedeuten?

Die Entlassung von Nikolaj Statkewitsch aus seiner fast fünfjährigen Haft kam überraschend. Der Vorsitzende der Schwesterpartei der SPD in Belarus (Weißrussland) setzt sich für die Herstellung echter Meinungsfreiheit ein sowie für freie und gleiche Wahlen in Belarus. 2010 war er Präsidentschaftskandidat und wurde danach zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Zuletzt wurden seine Haftbedingungen immer wieder verschärft. Trotzdem scheiterten alle Versuche des Regimes, ihn zu einem Gnadengesuch an den Präsidenten zu bewegen.

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sueddeutsche.de - 09.10.2015 - Von Frank Nienhuysen

Am Sonntag ist Präsidentenwahl. Das Land im Schatten Moskaus tut sich seit jeher schwer damit, eine eigene Identität zu finden.

Er hatte das weiß-rot-weiße Fähnchen an seine Gitarre gesteckt, das damals das kraftvolle Symbol Weißrusslands war, und er schaute auf Tausende Menschen. Wie viele es genau waren, daran erinnert sich Ljawon Wolskij nicht mehr, aber er weiß noch, wie großartig sich dieser Moment anfühlte auf der Bühne, das Fahnenmeer und die Glückseligkeit der Menschen vor sich. Er sagt: "Es war wie in Berlin, als die Mauer fiel." Wolskijs persönlicher Mauerfall fand 1991 statt, als die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik sich für unabhängig erklärte, als die UdSSR zerbrach, Platz schuf für ein unabhängiges Weißrussland, und der Rockmusiker all dies im Zentrum von Minsk mit einem Konzert musikalisch besiegelte. "Für mich war das ein großes Glück, dafür habe ich gekämpft", sagt Wolskij am Telefon, "ich habe die Sowjetunion nie geliebt."

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deutschlandfunk.de - 08.10.2015 - Von Sabine Adler

Seit mehr als 20 Jahren regiert Staatschef Lukaschenko Weißrussland mit harter Hand. Auch die Präsidentenwahl wird daran nichts ändern. Journalisten, egal ob sie in den staatlichen oder unabhängigen Redaktionen tätig sind, stehen unter schärfster Beobachtung.

Dass der Ausgang der Präsidentschaftswahl am Sonntag feststeht, bezweifelt Jewgeni Preigman keine Sekunde. Dass der junge Weißrusse dem Autokraten seine Stimme auf keinen Fall gibt, ist ebenso sicher. Denn Lukaschenko nehme das Volk nicht für voll.

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aargauerzeitung.ch - 07.10.2015

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Weissrussland hat Staatschef Alexander Lukaschenko russische Pläne für eine Luftwaffenbasis in seinem Land abgelehnt. «Wir brauchen heute keine Basis und schon gar nicht von der Luftwaffe», sagte Lukaschenko am Dienstag.

Es habe nie Gespräche mit Russland über einen solchen Stützpunkt gegeben. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Mitte September Aussen- und Verteidigungsministerium beauftragt, mit dem Nachbarland einen Stationierungsvertrag auszuhandeln. Gegen diese Pläne hatte es am Sonntag in Minsk eine Demonstration gegeben.

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sueddeutsche.de - 01.10.2015 - Von Frank Nienhuysen

Elf Jahre und schon bei der UN-Generalversammlung: Weißrusslands Machthaber Alexander Lukaschenko nimmt auf Dienstreisen gerne seinen Jüngsten mit. Wird da ein Knirps zum Präsidenten erzogen?

Der Junge wächst in seine Rolle hinein - wann sonst kann man diese Redewendung schon so wörtlich nehmen? Vor drei Jahren reichte der Scheitel des kleinen Kolja Lukaschenko gerade mal bis zum oberen Knopf der Uniform des Herrn Papa. Seitdem hat er einen sichtbaren Schub gemacht. Jetzt ist der Kopf schon auf Schulterhöhe zweier groß gewachsener Männer, Präsidenten noch dazu. Zur Linken steht Barack Obama, zur Rechten Koljas Vater Alexander Lukaschenko, Staatschef und Dauerherrscher von Weißrussland. Michelle Obama komplettiert das Foto eines Empfangs im UN-Gebäude von New York, und auffällig dabei ist, dass die Obamas strahlend lächeln und die Lukaschenkos ziemlich finster schauen. Dass der Anzug und die Krawatte mit der Miene des elfjährigen Kindes zu tun haben, ist unwahrscheinlich. Kolja, offiziell Nikolaj, ist das so gewohnt.

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nzz.ch - 29.09.2015 - Benjamin Triebe

Ungeachtet der repressiven Politik, ist Minsk für Stadler Rail der Ort der Wahl, um im Osten Europas ein Werk zu betreiben. Die Wirtschaftslage der Region könnte allerdings besser sein.

Ein Schweizer Mittelständler kommt nicht oft zu dem Ruf, ein avantgardistischer Auslandsinvestor sein. Genau diese Ehre wird dem Thurgauer Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail in Belarus zuteil – einem Land, das von Präsident Alexander Lukaschenko mit diktatorischen Zügen geführt wird, mit einer isolierten und noch stark durch Staatskommando geprägten Volkswirtschaft, die beständig um Investitionen ringt. Im Jahr 2012 stieg Stadler mit einem Joint Venture in die Produktion in Belarus ein, seit 2013 betreibt das Unternehmen eine eigene Tochtergesellschaft mit einem Werk vor den Toren der Hauptstadt Minsk.

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nzz.ch - 29.09.2015 - Benjamin Triebe

Im mit diktatorischen Zügen regierten Belarus soll die durchregulierte Staatswirtschaft dem Volk keinen Anlass zu Unmut bieten. Genau das macht das Land anfällig für Schocks.

Wenn schon Diktatur, dann mit Bardo. Also Bordeaux. Aber die weissrussische Sprache reduziert den phonetischen Gehalt des Weinanbaugebiets auf das Wesentliche, und dem Weinhändler in der Hauptstadt Minsk kommt die Kürze entgegen. So musste er das Werbeschild für sein Geschäft nicht über die ganze Höhe des vierstöckigen Gebäudes konstruieren – und der Blick bleibt frei auf die zentrale Prachtstrasse, an der in Steinwurfweite der KGB residiert. In Weissrussland hat der Geheimdienst seinen sowjetischen Namen behalten, und dem macht er unter Präsident Alexander Lukaschenko alle Ehre. Lukaschenko hat es allerdings verstanden, sein Volk bei Laune zu halten, nicht zuletzt mit Lohnsteigerungen und Importen von Konsumgütern. Aber dieses Modell stösst an seine Grenzen.

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